Bio Daily: Ein Farbpunkt, der aus der Masse heraussticht

von Joachim Faust (joachim) am 04.03.2010

Bio Daily in der Stettiner StraßeAn einem grauen, regnerischen Tag leuchtet einem der in warmen Terrakottatönen gestaltete Laden in der Stettiner Straße 63 einladend entgegen. In einem Kiez, wo man es kaum erwarten würde, hat sich gegenüber Woolworth's und neben einer Spielothek in einem denkmalgeschützten Haus aus dem Jahr 1864 ein Bistro mit Lebensmittelverkauf angesiedelt. „Die Umgebung hier wartet auf so etwas“, sagt der Leiter des Bistros Arno Haßbargen. Dies klingt an diesem Standort verwunderlich, denn das Essensangebot und das Sortiment ist fast ausschließlich auf Bioprodukten aufgebaut. Trotzdem, davon ist der 42-Jährige überzeugt, gibt es immer mehr junge Familien und alteingessene „Ökos“ in Gesundbrunnen, auf die das Konzept von „Bio Daily“ zugeschnitten ist.

Ursprünglich sollten in dem Bistro jugendliche Schulabbrecher der Werkschule Berlin beschäftigt werden. Doch dieses Unterfangen schien dem Bildungsträger letztendlich zu gewagt. Lothar-Werner Pampuch und Arno Haßbargen gründeten daraufhin ihr eigenes Unternehmen, das auch den Betrieb einer Kantine auf dem Ex-Rotaprint-Gelände sowie ein Catering-Angebot umfasst.
 

 

Einladung zum Hinsetzen„Zwei bis drei Mal die Woche schaue ich hier herein“, sagt ein junger Mann, der hier auf einen Kaffee vorbeigekommen ist. „Und das sagt doch schon alles“, fügt er noch hinzu, als er zu seiner Meinung über Bio Daily befragt wird . In der Tat: viele Stammkunden hat das im Juli 2009 eröffnete Bistro bereits. „Wir setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda“, erklärt Haßbargen. Ihm ist klar, dass ein Bioladen an diesem Standort eher auf eine langfristige Strategie setzen muss als auf einen schnell wachsenden Kundenkreis. Laufkundschaft ist abseits der geschäftigen Badstraße daher eher nicht zu erwarten, dafür umso mehr Kunden, die immer wieder kommen. Dazu trägt sicher auch die angenehme Atmosphäre des Ladens bei, in dem auch Zeit für ein persönliches Gespräch sein soll.

 

Arno HaßbargenFest im Angebot sind eine tägliche Suppe sowie ein wechselndes Mittagsgericht. Das Standbein des Biosortiments sind zum einen Molkereiprodukte, aber insbesondere auch die selbstgemachten Kuchen, Konditorei- und Backwaren. Das hat auch mit der persönlichen Geschichte von Arno Haßbargen zu tun. Nach einer abrupt beendeten Drogenkarriere hat er einen neuen Sinn im Leben gesucht. Als Markthändler für „Märkisches Landbrot“ hat er sich 2005 selbständig gemacht und durch diese Arbeit Gefallen an Produkten aus biologischem Anbau gefunden. Die Brote dieses Biobäckers stehen daher im Mittelpunkt des Verkaufssortiments, das meist in „Demeter“-Qualität, zumindest aber nach biologischen Grundsätzen hergestellt wird. „Ich möchte selbst ein gutes Beispiel sein“, sagt Haßbargen. Dazu gehört für ihn auch, zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen, die bei Bio Daily verkauft werden. Dieser ganzheitliche Ansatz ist ihm auch für den Bistro- und Bioladenbetrieb wichtig.

Das kleine, aber feine BiosortimentVielleicht ist es auch ein Glücksfall, an diesem schwierigen Standort etwas Unerwartetes zu wagen. Konkurrenz ist für das ambitionierte Geschäft jedenfalls weit und breit nicht in Sicht. „Ich empfinde diesen Laden als einen Farbpunkt, der aus der Masse heraussticht“, sagt Arno Haßbargen. Oder, wie er es auch ausdrückt: „Das ist, wie wenn die Sonne aufgeht“.

Autor: Joachim Faust

"Bio Daily", Stettiner Str. 63, Berlin-Gesundbrunnen, inzwischen wieder geschlossen.


Weiterführende Links

www.biodaily.eu

 

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Kommentare

05.03.2010

Ralf Hertsch

Das "Bio Daily" ist ebenso wie die Kantine in der ExRotaPrint immer einen Besuch wert: mir hat es bis jetzt jedes Mal geschmeckt und ich komme gerne wieder.