Der Bioladen im Hinterhof
Ein Bioladen im schwierigen Umfeld
"Je besser das Wetter ist, desto mehr Kunden haben wir", sagt Katrin Paul – und hofft natürlich nicht nur aus diesem Grund auf schöne Sommer. Die Bildungsreferentin hat sich vor sieben Jahren mit einer originellen Geschäftsidee selbstständig gemacht: sie beliefert in Nordostdeutschland Tagungen und Seminare mit Bioprodukten. "Ich habe mich selbst auf Seminaren über die schlechte Verpflegung geärgert", sagt die 38-jährige. "Jetzt beliefern wir mit "Speisen auf Reisen" die Bildungsstätten mit Lebensmitteln, die mir selbst besser schmecken." Und die Tagungsteilnehmer, so der angenehme Nebeneffekt, können in der Gruppe kochen und sich so ein bisschen besser kennen lernen.
Als für Speisen auf Reisen größere Lagerflächen gesucht wurden, wurde Katrin Paul im Soldiner Kiez fündig. In einer ehemaligen Motorradwerkstatt, im zweiten Hinterhof der Prinzenallee 58, gab es eine passende preiswerte Gewerbefläche, die vor allem für Europaletten geeignet sein musste. "Der Bioladen ist sozusagen ein Nebenprodukt", sagt die Unternehmerin, "er muss jedoch aus dem Lieferservice quer subventioniert werden." Und genau das ist der Haken: ein Bioladen findet im Soldiner Kiez ein schwieriges Umfeld vor. Es gibt zwar auch hier die typischen Bioladen-Kunden - überwiegend Singles, junge Familien oder Genossenschaftsmitglieder der Prinzenallee 58 -, aber deren Anzahl reicht für ein florierendes Geschäft nicht aus. Aufgrund der niedrigen Einkommen im Kiez fehlt es zudem schlicht an der Kaufkraft potenzieller Kunden.
Wer den 50 Quadratmeter großen Laden aber erst einmal entdeckt hat, lernt dessen Vorteile schnell schätzen. Es wird mit kleinen Biobauern aus dem Berliner Umland kooperiert, so zum Beispiel dem Siebengiebelhof und einem Bauern aus Kuhhorst, die beide an gleich bleibenden Wochentagen ihre typischen Produkte wie Brot und Quark liefern. Katrin Paul hat auch ein offenes Ohr für Vorschläge ihrer Kunden, wie das Sortiment noch erweitert werden kann. Es gibt zwar keinen ständigen Vorrat an Frischfleisch, dafür kann fast alles vorbestellt werden und es gibt eine Gefriertheke. Nicht zuletzt bietet der Laden auch ein Rabattsystem: 21 Einkaufsstempel im Bonusheft führen zu einem Guthaben von drei Euro.
"Der Laden liegt fahrradfreundlich, aber nicht direkt an der Prinzenallee", gibt die Ladeninhaberin zu bedenken. Dafür gibt es aber in diesem Teil des Wedding keine direkte Konkurrenz. "Oft wundern sich die Kunden, dass es uns überhaupt gibt", erklärt Katrin Paul, die selbst im benachbarten Pankow wohnt. Wie so oft sind auch die Personalkosten ein großes Problem, wodurch die Öffnungszeiten stark eingeschränkt werden mussten. Eine Mitarbeiterin im freiwilligen ökologischen Jahr bringt da schon eine große Entlastung für das kleine Geschäft.
Die Öffnungszeiten des Bioladens sind nach anfänglichen Versuchen einer werktäglichen Öffnung schon stark eingeschränkt worden. Aber so schwierig die Situation auch sein mag, dem Kiez bleiben zwei Dinge zu wünschen: dass es weiterhin einen Bioladen gibt, der die Lebensqualität in diesem innerstädtischen Bezirk erhöht und dass die Geschäfte gut laufen – und das nicht nur bei Sonnenschein.
Autoren: Joachim Faust / Christoph Schierholz
Weiterführende Links:
Kontakt: www.speisenaufreisen.de, Tel. 030 / 46 06 53 81
Weitere Bioläden an der Panke: "Alraune" Naturkostladen, Wollankstr. 11, Berlin-Pankow, Telefon 030-4851511; Bio-Company, Breite Str. 20 (Rathauscenter), Berlin-Pankow, Tel. 030/ 484 765 46
Neuere Themen:
Der Gitarrenlehrer Arndt Bethke
Porträt des Gitarren- und Musiklehrers Arndt Bethke, der in der Pankower Wollankstraße ein Gitarrenstudio mit Musikunterricht eröffnet hat.
Bio Daily: Ein Farbpunkt, der aus der Masse heraussticht
Artikel über den Bioladen und das Bistro "Bio Daily" in Gesundbrunnen
Das Hostel "UferNacht"
Porträt des Hostels "UferNacht" in der Uferstraße in Berlin-Gesundbrunnen
Ältere Themen:
Seite nicht mehr verfügbar
Seite nicht mehr verfügbar
Die neue Gesundbrunnenquelle
Artikel über die Quelle in einem der Badstraße
Kinderbauernhof Pinke-Panke: 18 Jahre für ein Haus
Bericht über das neue Spielhaus im Kinderbauernhof Pinke-Panke
Pressemitteilung: Mahd an den Karower Teichen
Pressemitteilung über Naturschutz- und Pflegemaßnahme an den Karower Teichen
Pressemitteilung: Sperrung des Pankewegs
Pankeweg und Fernradweg Berlin-Usedom wegen Autobahnausbau gesperrt bzw. umgeleitet